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Die Geschichte des Rauriser Natursteins: Wo alles seinen Anfang fand

Wo alles begann

Matschige Wege, starke Arme und ein Gespür für das Geschäft: Was so banal klingt, führte vor 60 Jahren zur Entstehung unseres heutigen Rauriser Natursteinzentrums. Erfahren Sie mehr über die Geschichte des Rauriser Natursteins und lesen Sie, wieso Kühe dabei eine große Rolle spielten und warum sich die Italiener am Rauriser Marmor beinahe die Zähne ausbissen.

Die Entdeckung des Rauriser Natursteins

Die Kühe versinken mit jedem Tritt im Matsch und schließlich landet der Dreck auch im Haus. Davon hatte Johann Lohninger sen. sen., Großvater des heutigen Geschäftsführers, genug. Da kommt ihm ein Stein gerade recht, der sich besonders gut spalten lässt. Mit Hammer und Meißel werkelt er so lange an dem hellgrünen Quarzit herum, bis genug grobe Platten gespalten sind, um diese auf dem Grundstück zu verlegen. Fortan bewegen sich Bewohner und Hoftiere über eine helle, glitzernde Oberfläche und es dauert nicht lange, bis Nachbarn und Bauern bis nach Bayern auf den besonderen Stein aufmerksam werden.

Vom Eigenbedarf zum Familienunternehmen

Johann Lohninger sen. sen. witterte darin eine Geschäftsidee und hielt im Jahre 1958 die Abbaugenehmigung durch die Bezirkshauptmannschaft Zell am See in Händen. Die Johann Lohninger OHG begann den Quarzit abzubauen und wurde bald mit ersten größeren Aufträgen und der ersten Exportlieferung nach Deutschland betraut.

Johann Lohninger sen., der Sohn des Gründers, führte das Unternehmen fort und baute es aus. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Raurisers erfolgte im Jahr 1963: Beim Bau eines Forst- und Almweges auf die Hochalm auf 1.900 m Seehöhe wurde ein Marmorvorkommen entdeckt. Auch im Marmorbruch wurde der Betrieb aufgenommen und so arbeiteten bis Mitte der 70er Jahre bis zu 65 Personen in der Johann Lohninger OHG. Zur Produktpalette gehörten vorrangig Spaltplatten und Mauersteine, die bis dahin durch händische Spaltarbeit entstanden. Dank der bisherigen Erfahrung war es dem Familienunternehmen 1967 schließlich möglich, im Eigenbau die erste hydraulische Steinspaltmaschine Österreichs zu konstruieren und zu bauen. Die Johann Lohninger OHG war nun so modern eingerichtet, wie kaum ein anderes Unternehmen in ganz Europa.

Stein heil, Maschine tot

Die Nachfrage nach dem seltenen Rauriser Quarzit und Marmor war groß. Die nächste Herausforderung: Maßgetreue Platten in dünneren Stärken mit ebenmäßiger Oberfläche herzustellen. Es musste doch eine Möglichkeit geben, den Rauriser Naturstein zu schneiden? Johann Lohninger hatte die zündende Idee: Er setzte sich hinter das Steuer eines mit Marmorblöcken vollbeladenen LKW-Zugs und lenkte diesen Richtung Süden, nach Italien. Denn von den Experten für italienischen Marmor war zu erwarten, dass sie wissen, wie der harte Rauriser Naturstein zu knacken ist. Immerhin ließ sich der italienische Marmor wie Butter schneiden. Sobald sich das Sägeblatt jedoch in den Rauriser Naturstein fräste, war Schluss. Das Sägeblatt blieb im Rauriser Marmor stecken, Johann Lohninger reiste unverrichteter Dinge ab und musste noch weitere erfolglose Versuche mit Marmorkreissägen einstecken.

Rauriser Naturstein: So hart wie Granit

Es war schlussendlich eine Granitkreissäge, die dem Rauriser Naturstein gewachsen war. Nachdem der Naturstein nun wirtschaftlich bearbeitet werden konnte, verabschiedete sich die Johann Lohninger OHG 1985 von ihren zwei anderen Produktionszweigen: der Landwirtschaft und der Holzproduktion. Zurück blieb der Natursteinabbau. Mit der Anschaffung einer Block-Kreissäge, die auf das Rauriser Material abgestimmt war und in Zusammenarbeit mit dem Diamantwerkzeugehersteller Koken aus Deutschland gebaut wurde, konnte die Produktionsleistung deutlich erhöht werden. Der Startschuss für die heutige vielfältige Produktpalette war gefallen.

Heute werden im Rauriser Natursteinzentrum rund 80% der Steinblöcke zu gesägten Erzeugnissen verarbeitet. Und die gute alte Handspaltung? Auch die gibt es heute noch, denn für einige Anwendungen bedeutet diese Methode nach wie vor die wirtschaftlichste Lösung.